Closed Meeting der SECEC/ESSSE am 23.-25. September 2004 in Saalfelden/Österreich

Turnusmäßig fand 2004 der Internationale Kongress für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (ICSS) in Washington statt. Wie üblich, entfiel daher der Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (SECEC/ESSSE).

Verregnete Bergidylle um Saalfelden
Der ausscheidende Präsident Professor Dr. Herbert Resch, Salzburg, lud aus diesem Grund die Ordinary Members und Associate Members der SECEC zu einem Closed Meeting nach Saalfelden/Österreich ein.

Das Konzept dieses Präsidenten-Meetings ist es, neue Studien aus den Arbeitsgruppen der Gesellschaft vorzustellen und in Expertengremien ausführlich zu diskutieren. Daneben finden die jährlichen Tagungen der verschiedenen Comittees, die Vorstandssitzungen und die Mitgliederversammlung der SECEC statt. Closed Meetings sollen durch ihr Rahmen- und Sozialprogramm das Kennenlernen der Mitglieder untereinander fördern und zu gemeinsamen Projekten anregen.

Wissenschaftliches Programm.

Im Rahmen von 3 halbtägigen Sitzungen wurden insgesamt 53 neue Arbeiten von Mitgliedern der SECEC vorgestellt. Erfreulich war die relativ hohe Präsenz deutscher Arbeitsgruppen mit 9 Studien. Hauptthema des ersten Sitzungsblocks am 23.09.2004 waren proximale Humerusfrakturen, Frakturfolgen und deren Versorgung.Torrens C (Spanien) und Handelberg F (Belgien) stellten Resultate nach kombinierten Versorgungen von 3- und 4-Fragmentfrakturen durch intramedulläre- und Minimalosteosynthesen vor. Ein Schwachpunkt vieler Studien über dieses Thema ist die Nichtvergleichbarkeit der Kollektive und damit die fehlende Reliabilität der Resultate. Emery R (England) schlug daher eine modifizierte Klassifikation auf der Basis einer dreidimensionalen CT-Analyse der proximalen Humerusfrakturen vor, die neben der üblichen Fragmenteinteilung auch deren Dislokationsausmaß und Rotation berücksichtigt.

Ein weiterer Themenblock beschäftigte sich mit Erkrankungen und chirurgischen Prozeduren am Ellenbogengelenk. Bei Leistungsturnern wurden bereits im jugendlichen Lebensalter in einer hohen Anzahl Überlastungsveränderungen und strukturelle Schäden am Capitulum humeri beobachtet und operiert. Krijnen M (Niederlande). Gute Ergebnisse wurden nach arthroskopischem Sehnenrelease bei Epicondylitis humeri berichtet. Maiotti M (Italien)Canata G (Italien) stellte eine minimal invasive Methode zur Refixation bei distalem Bizepssehnenausriss mit transossären Nähten vor.

Ein weiterer Themenkomplex war Problemen der Schulterinstabilität gewidmet. Boileau P (Frankreich)berichtete über eine Reluxationsrate von 15 % nach arthroskopischer Stabilisierung. Die Reluxationen/Subluxationen ereigneten sich durchschnittlich 17,6 Monate nach der Operation. Prognostisch ungünstige Faktoren stellten Glenoidfrakturen, große Hill-Sachs-Läsionen und vordere Kapseldefekte dar, daneben führten atraumatische Erstluxationen, häufige Luxationen und eine inferiore Laxität zu gehäuften Reluxationen.

Frank Gohlke (Würzburg) präsentierte eine interessante Studie zum Thema Rotatorenmanschettenläsion und Berufskrankheit. Er fand in dem Kollektiv operierter Rotatorenmanschetten in 6,38 % Patienten, die in Land- und Forstwirtschaft und in 35,11 % Patienten, die in der Bauindustrie beschäftigt waren. Die Häufigkeit dieser Berufsgruppen unter den operierten Rotatorenmanschetten unterscheidet sich signifikant von deren relativen Vorkommen in der Bevölkerung.

Markus Rickert (Heidelberg) stellte eine experimentelle Studie an Leichenpräparaten zur Defektdeckung bei großen Rotatorenmanschettenläsionen dar. Mit lokalem Verschiebelappen aus dem Infraspinatus können bei höherer Elastizität und Zugfestigkeit größere Rotatorenmanschettendefekte gedeckt werden als mit lokalen Transfers aus dem Subscapularis. Peter Habermeyer (Heidelberg) stellte eine neue röntgenologische Klassifikation der Glenoidinklination bei Patienten mit Omarthrosen vor. Christoph Schulz (München)untersuchte die subchondrale Knochenmineralisation am Glenoid bei Patienten mit Tendinosis calcarea. Er fand Übereinstimmungen mit Patienten bei Schulterinstabilität und Unterschiede zu Patienten mit subakromialem Impingement und Supraspinatusrupturen.

Neues aus Vorstand und Kommittees

Peter Habermeyer schied nach 9-jähriger Tätigkeit als Schatzmeister aus dem Executive Committee der SECEC aus. Er wird als Vorstandsmitglied ersetzt durch Frank Gohlke.
Als neue Ordinary Members wurden Wolfgang Pötzl (Münster) und Sven Lichtenberg (Heidelberg)aufgenommen.
Weiteres Associate Member ist Petra Magosch (Heidelberg).

Rahmenprogramm.

Die Veranstaltung in dem Gut Brandlhof in Tirol lud in malerischer Gebirgsatmosphäre zu vielfältigen sportlichen und geselligen Freizeitaktivitäten ein. Diese wurde jedoch im wahrsten Sinne des Wortes überschattet durch 72 Stunden Dauerregen mit einem Absinken der Schneefallgrenze auf 1200 m. Entsprechend wurde der Winter am alpinen Gesellschaftsabend auf einer Berghütte mit einer zünftigen Schneeballschlacht eröffnet. Der guten Stimmung in und um die Veranstaltung tat das Wetter jedoch keinen Abbruch. Auf dem festlichen Captains Dinner am Samstagabend übergab Herbert Resch offiziell die Präsidentschaft der SECEC / ESSSE an seinen Nachfolger für die kommenden 2 Jahre, Gilles Walch, Lyon.

Der nächste öffentliche Kongress der Europäischen Gesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie findet vom 22. - 24. September 2005 in Rom statt. Eine zahlreiche aktive Beteiligung und Präsenz von Arbeitsgruppen aus der DVSE wäre erfreulich.

Markus Loew, Heidelberg
National Delegate

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