Nachruf

Die DVSE trauert ganz besonders um das Ableben unserer verdienten und allseits geschätzten Mitglieder.
 
Birgit Werner, Jochen Löhr und Alwin Jäger

 

 

BIRGIT WERNER |

Mit Bestürzung und großer Trauer haben wir zu Beginn der Jahrestagung der DVSE in St. Gallen erfahren, dass Dr.med. Birgit Simone Werner kurz zuvor der erst 2016 festgestellten, schweren Erkrankung erlegen ist. Sie verstarb im Alter von nur 38 Jahren im Kreis ihrer Familie, für die meisten von uns vollkommen unerwartet; kaum jemand wusste von ihrem Leiden, so präsent wirkte sie noch bis vor kurzem durch ihre wissenschaftliche Aktivität. So plante sie bis zuletzt zum 10. Mal in ununterbrochener Folge seit 2009, auch diesmal wieder an dem DVSE-Kongress teilzunehmen, bei dem sie als Co-Autorin mehrerer Beiträge im Programm aufgeführt ist.

Birgit Werner gehört ohne Zweifel zu dem Kreis der wissenschaftlich erfolgreichsten, auch international bekannten Schulter- und Ellenbogenchirurgen Deutschlands. Seit 2009 war sie als Mitglied der DVSE insbesondere für das Endoprothesenregister lange Jahre sehr aktiv. 2010 wurde sie als Associate Member, 2015 auch als Ordinary Member in die SECEC aufgenommen und wirkte schließlich auch dort im Registry Committee der europäischen Gesellschaft mit. 2018 wurde ihr in Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Meriten auch der Status eines Corresponding Member der ASES verliehen.

Ihr Werdegang zeigt eine bemerkenswerte Zielstrebigkeit:
Von 1987 – 2000 absolvierte sie ihre Schulausbildung in Brambauer und Waltrop, bei Dortmund, von 2000 – 2007 das Medizinstudium der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg, um dann gleich 2008 ihre Promotionsarbeit mit dem Thema: “ Schulter-TEP-Wechseloperationen mit der inversen Schulterprothese“ abzuschließen. 
Bereits im Oktober 2007 bis Juni 2008 nahm sie ihre Tätigkeit als Assistenzarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik Würzburg, König-Ludwig-Haus bei Prof. Dr. Jochen Eulert, später Prof. Dr. Maximilian Rudert auf. Bereits in dieser Zeit baute sie am KLH Würzburg ein lokales Schulterendoprothesenregister mit 1200 dokumentierten Fällen auf.
Von Juli bis Dezember 2009 arbeitete sie in der Unfallchirurgie des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim, um dann im Januar 2010 (bis Juni 2011) als Assistenzärztin in die Klinik für Schulterchirurgie in Bad Neustadt zu wechseln. Dort trug sie durch ihr Engagment und viele gute Ideen ganz wesentlich zum Aufbau der neuen Abteilung bei. Von Juli 2011 bis Dezember 2012 komplettierte sie ihre fachorthopädische Ausbildung im Franziskus-Hospital Harderberg bei PD Dr. Olaf Rolf und im Marienhospital Osnabrück bei Prof. Dr. Uwe Joosten. Nachdem sie Januar 2013 wieder in die Orthopädie des Franziskus-Hospital zurückgekehrt war, konnte sie dort nach bestandener Prüfung zur Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie die Funktion einer Oberärztin mit Schwerpunkt Schulterchirurgie übernehmen. 

2012 gewann sie dann das deutsche Reisestipendium der DVSE. Diese besondere Liebe für unser Fachgebiet führte sie aber bereits 2014 für ein weiteres klinisches und wissenschaftliches Fellowship von 3 Monaten nach Lyon in das Centre Orthopédique Santy unter G. Walch, L. Neyton und A. Godenèche. Während dieser Zeit und in den Jahren danach bearbeitete sie mehrere Projekte, fokussiert auf Schulterendoprothetik und prä-operative 3-D-Planung, deren Ergebnisse sie in renommierten Fachzeitschriften publizierte. Bei diesem Fellowship und den daraus resultierenden Anschlussprojekten, die in Kooperation mit Instituten in den USA durchgeführt wurden, kamen ihr die hervorragenden Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch entgegen.

Birgt Werner kehrte dann im Januar 2015 als Oberärztin an die Klinik für Schulterchirurgie in Bad Neustadt zurück, wo sie das gesamte Spektrum des Fachgebietes mit Schwerpunkt Endoprothetik und arthroskopische Chirurgie auf hohem Niveau auch als selbstständige Operateurin vertrat. Parallel dazu nahm sie auch ihre wissenschaftlichen Projekte, die in Kooperation mit der Universität Gießen durch Drittmittel gefördert waren, wieder auf. Sie erwarb das Zertifikat der DVSE und qualifizierte sich fachlich und charakterlich für die Leitung einer eigenen Abteilung.

Ihr Oeuvre ist bemerkenswert: Neben einer Vielzahl von veröffentlichten Abstracts und Vorträgen stammen aus ihrer Feder mehr als 30 Originalarbeiten, Reviews und Buchbeiträge, wobei sie in PubMed als Erstautor von 11 Originalarbeiten namhafter Journals gelistet ist. Auch hier sticht ihr besonderes Interesse für die Schulterendoprothetik hervor. Einige ihrer Arbeiten gehören zu den weltweit am meisten zitierten und gelesenen Arbeiten auf diesem Gebiet.

Eigentlich plante sie in diesem Jahr mit einer abgeschlossenen, aber bisher noch nicht publizierten anatomischen und biomechanischen Studie ihre klinischen Untersuchungen zu ergänzen und als Habilitationsschrift mit dem Schwerpunkt „Inverse Revisionsendoprothetik“ einzureichen. Davon wurde sie nur durch die immer stärkere werdende Beeinträchtigung seitens ihrer Erkrankung abgehalten. So war es ihr leider nicht mehr vergönnt, ihre intensive Forschungstätigkeit durch den Erwerb eines weiteren akademischen Titels zu krönen.
Wir verlieren mit Birgit Werner viel: Nicht nur eine hochintelligente, tüchtige und charakterlich integre, junge orthopädische Chirurgin von hoher fachlicher und wissenschaftlicher Qualifikation sondern auch eine sehr liebenswerte Kollegin, deren zurückhaltendes und bescheidenes Auftreten nicht nur mit einem Quäntchen Selbstironie veredelt wurde sondern bei der in ruhigen Momenten auch der hintergründige Humor ihrer Heimat aus den hellen Augen einer Norwegerkatze unter rotblondem Schopf hervorleuchtete.

Birgit, wir alle werden dich sehr vermissen.

Würzburg, den 20. Mai 2019

Frank Gohlke

 

 

ALWIN JÄGER |
Noch am Vortag hatte Alwin einen Vortag in Berlin gehalten. So wie wir ihn kannten und schätzten: engagiert, der Medizin und speziell der Arthroskopie zugewandt und mit dem ihm eigenen Humor. Die Nachricht von seinem plötzlichen und auch durch grössten chirurgischen Einsatz unumkehrbaren Schicksal und Tod macht uns alle tief betroffen. Plötzlich hat der Tod ihn mitten aus seiner erfolgreichen und aktiven Tätigkeit und aus seiner liebevollen Ehe gerissen. Gerade hatte er mit seiner geliebten Heike das neue Haus bezogen. Wir kennen Alwin seit vielen Jahren als engagierten Kollegen der es verstanden hat durch seine ausgezeichneten chirurgischen Leistungen und seine Hinwendung zum Patienten seine Kollegen und seine Patienten zu überzeugen. Vor allem die Verbesserung arthroskopischer Techniken und deren Ergebnis lagen ihm am Herzen. In seiner Zeit in Frankfurt an der orthopädischen Klinik Friedrichsheim hat er eine Sektion mit grossem Ruf aufgebaut. Nicht nur seine chirurgischen Entscheidungen sondern auch die beruflichen und organisatorischen waren gut begründet und fundiert. Wir haben uns daher sehr gefreut, dass die neue Stelle als Chefarzt für Sportorthopädie / Knie und Schulterchirurgie Alwin auf den Leib geschneidert war. Entsprechend erfolgreich und anerkannt hat er auch diese Abteilung aufgebaut. Alwin hat eine nationale und internationale Reputation als ausgezeichneter Orthopäde und Arthroskopeur erlangt. Er war aktives Mitglied unter anderem bei der ISAKOS, der AGA und der ACL Study Group aber eben auch langjähriges Mitglied in der DVSE. Bereits in Fried-richsheim hatte er zahlreiche Schulter OP Kurse organisiert. Alwin war stets bereit seine Neugier aber auch sein Wissen zu teilen und war engagierter Lehrer für seine Mitarbeiter so-wie nationale und internationale Gäste. Wir freuen uns daher besonders über den Vorschlag von Ron Schmieding, eine Dr. Alwin Jäger Stiftung zur Ausbildungsförderung ins Leben zu rufen. Trotz Deiner zahlreichen Verpflichtungen und Anerkennungen haben wir Dich Alwin stets als loyalen Freund und humorvollen Weggefährten erlebt.

Wir vermissen Dein verschmitztes Lachen und Deine Menschlichkeit.

Für den Vorstand der DVSE

U. Brunner, E.Wiedemann, J. Steinbeck

Jochen Löhr

 

 

JOCHEN LÖHR |
Am Ende des EFORT-Kongresses in Wien, den er selbst mitgestaltet hat, auf dem er mehrere Vorträge halten und ein Symposium moderieren sollte, hat uns die erschütternde Nachricht über den Tod von Professor Dr. med. Joachim Löhr erreicht. Noch kann niemand sich vorstellen, dass er nicht mehr unter uns sein soll. Von der ersten Stunde an hat Joachim Löhr der Deutschen Vereinigung für Schulter- und El-lenbogenchirurgie angehört und sie durch seine wissenschaftliche Grundlagenforschung, seine exzellenten Kongressbeiträge, Vorlesungen und seinen immer hilfreichen und niemals eigennützigen Einsatz in den unterschiedlichen Gremien entscheidend geprägt. Joachim Löhr war durch seinen beruflichen Lebenslauf, der ihn als Assistenzarzt an die Schulthess Klinik Zürich, als Research und Clinical Fellow, Resident und schließlich als Consultant an die Universitätskliniken von Toronto und Ottawa, als Oberarzt in die Orthopädische Universitätsklinik Würzburg, als Chefarzt für Orthopädie an die Schulthess Klinik Zürich, als Ordinarius für Orthopädie an die Universität Lübeck, als Medizinischer Direktor zur Endoklinik Hamburg und schließlich in selbständiger Tätigkeit zurück nach Zürich geführt hatte, ein exzellenter Botschafter für unsere Vereinigung und für die Deutsche Schulter- und Ellenbogenchirurgie. Er hat zahlreiche nationale und internationale wissenschaftliche Ehrungen erfahren und war Ehrenmitglied und Mitglied vieler internationaler Gesellschaften und Vereinigungen, u.a. der Fellow of the Royal College of Surgeons, American Academy and Orthopaedic Surgeons, Canadian Orthopaedic Association and Reseach Society und European Research Society. Durch seine menschliche Aufgeschlossenheit und seine Sprachgewandtheit ist er immer ein ausgezeichneter Kommunikator gewesen. Unvergessen sind seine exzellenten, wissenschaftlich fundierten und dennoch auch humorvollen Vorträge und Diskussionsbeiträge auf zahllosen Veranstaltungen. Es gab kaum einen bedeutenden Kongress oder ein wichtiges internationales Meeting über Themen der Schulter- und Ellenbogenchirurgie, an dem man Joachim Löhr nicht treffen und aktiv erleben konnte. Vor wenigen Wochen noch hat er mit seiner trockenen norddeutschen Herzlichkeit und einem hanseatischen Augenzwinkern in Hamburg den Perthes-Preis der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie überreicht. Die Deutsche Vereinigung für Schulter und Ellenbogenchirurgie hat eines Ihrer zentralen Mitglieder, wir alle haben einen guten Freund verloren.

Lieber Jochen, wir werden Dich und Dein offenes, freundliches Wesen vermissen und Dich in ehrender Erinnerung behalten.

Für den Vorstand der DVSE

Markus Loew, Ulrich Brunner, Jörn Steinbeck