Reisebericht 2018

Reisebericht DVSE Reisestipendium 2018

Fellows:
Dr. Valentin Rausch | Köln
Dr. Boris Sowa | Heidelberg

Woche 1
Unseren Ersten Tag durften wir in der Abteilung von Herrn. Prof Steinbeck in Münster verbringen. Prof. Steinbeck operiert gemeinsam mit Dr. Witt in der Raphaelsklinik in zwei Sälen abwechselnd. Dank der perfekten Vorbereitung der Assistenten, konnte Prof. Steinbeck ein beeindruckendes Tempo vorlegen. Neben den zwei inverser Schulterprothesen und mehreren arthroskopischen Rotatorenmanschetten-Rekonstruktionen und zwei Bankart-Repairs wurde als Highlight ein Patient bei Z.n. unfallbedingter Reluxation nach initial erfolgreicher Latarjet-OP mittels ventralem Beckenkammspan versorgt. Am Abend trafen wir uns dann im Altstadtrestaurant Leve, wo wir den Tag nochmal Revue passieren lassen könnten.

Als nächste Adresse stand die Argonklinik in Hamburg auf dem Plan, wo wir von Herrn PD Dr. Werner in seinen Praxisräumen herzlich begrüßt wurden. Die Patienten aus der Sprechstunde werden operativ in einem speziellen Teil der Endoklinik versorgt. In der Sprechstunde zeigte uns Herr PD Dr. Werner seine Untersuchungs- und Diagnosetechniken ausgiebig, es folgte eine kleine Fortbildung für Physiotherapeuten. Die Praxisräume der Argonklinik sind extrem zentral nah an der Alster gelegen, sodass der Weg in ein nahes Restaurant nicht weit war. Hier konnten wir ausgiebig berufspolitische Fragen wie bspw. über die Klinikstruktur Hamburgs stellen. In der Endoklinik trafen wir uns am folgenden Morgen und PD Dr. Werner führte uns in den sporttraumatologischen Bereich. Dort operierte das Team der Argon-Klinik ebenfalls in zwei Sälen mit zwei kompletten Teams parallel am Knie und an der Schulter. Zwischen den einzelnen Patienten war genug Zeit, sodass uns Dr. Werner ein paar Tipps für einzelne operative Schritte der durchgeführten OPs geben konnte. Insgesamt konnten wir ihm bei der Implantation einer anatomischen TEP, einer arthroskopisch versorgten Massenruptur, sowie einer Bankart-Refixation nach drei stattgehabten Luxationen zuschauen. Beeindruckt hat uns hier u.a. die sehr elegante Präparationstechnik.

Bereits mittags ging es weiter nach Heidelberg, wo wir durch Prof. Loew und Dr. Lichtenberg herzlich in den Praxisräumen empfangen wurden. In einer der Keimzellen der deutschen Schulterchirurgie operierten Prof. Loew und Dr. Lichtenberg jeweils in einem eigenen Operationssaal abwechselnd. Prof. Loew demonstrierte die Implantation einer anatomischen Prothese bei posttraumatischer Omarthrose sowie eine arthroskopische Rotatorenmanschettennaht mittels Push-Lock Ankern in Lassotechnik. Im Anschluss zeigte uns Dr. Lichtenberg die Refixation bei höhergradig retrahierter Supraspinatus-Sehne nach sehr ausgiebigem Sehnenrelease, wodurch eine spannungsfreie Adaptation ermöglicht wurde. Als besonderes Highlight durften wir dann noch einem Pectoralis-major-Transfer beiwohnen, während dem uns Dr. Lichtenberg sein technisches Vorgehen und die Indikationsstellung für Sehnentransfers genau erläuterte. Insbesondere wurden uns die Vor- und Nachteile verschiedener Techniken des Sehnentransfers erklärt. Abends wurde wir dann gemeinsam mit dem Team der Atos Klinik in das Restaurant "956" eingeladen, wo wir in entspannter Atmosphäre bei hervorragender Bewirtung den Tag Revue passieren ließen.

Am Folgetag stand dann die Arcusklinik in Pforzheim auf dem Programm. Dr. Hollinger nahm uns herzlich in Empfang, bevor ein straff getaktetes Programm mit insgesamt 10 Eingriffen am Ellenbogen losging. Dr. Hollinger nahm sich trotz der engen Taktung viel Zeit, uns die einzelnen Schritte bei der Ellenbogenarthroskopie, der Reinsertion der distalen Bicepssehne in single-incision Technik oder einer LUCL-Bandplastik mit Tricepsgraft zu zeigen. Jeder operative Schritt dieser Routineeingriffe war derart durchdacht, sodass man sogar bei der Inzision für die Spülkanüle noch einen guten Tipp abgreifen konnte.

 

Woche 2
Das Wochenende wurde dann im Kreise der Familien verbracht, bevor die Reise am Sonntagabend in Würzburg fortgesetzt wurde. Bei köstlicher fränkischer Küche mit PD Dr. Dirk Böhm sowie dessen Ehefrau Dr. Dorota Böhm wurden wir trefflich von Prof. Gohlke sowohl fachlich als auch historisch unterhalten. Abends fuhren wir mit Prof. Gohlke noch weiter nach Bad Neustadt. Am Folgetag ging dann nach ausgiebiger präoperativer Fall- und Bilderbesprechung das operative Programm zügig los. Beinahe tagesfüllend war die Revision einer Pseudarthrose bei periprothetischer Langschaftfraktur am rechten proximalen Humerus. Für die Versorgung verwendete Prof. Gohlke zwei Allografts, mit denen er ein Impaction-grafting und ein Strut-Allograft für die Sanierung der Pseudarthrose verwendete, um sekundär einer speziell angefertigte Langschaftprothese zu implantieren.

Es folgte die Weiterreise nach München, wo wir am kommenden Morgen durch Prof. Raiss in der OCM Klinik in Empfang genommen wurden. Nach kurzer Klinikführung konnten wir im Wechsel sowohl Prof. Wiedemann als auch Prof. Raiss im OP begleiten. Beeindruckend waren die straffe Organisation und die Versorgungsmöglichkeiten in der OCM-Klinik bzw. im angrenzenden Sana-Klinikum, in dem Prof. Wiedemann und Prof. Raiss unterschiedlich operativ tätig sind. Dieses Behandlungskonzept ermöglicht eine hohe Flexibilität und vielseitige Versorgungsmöglichkeit aller Patienten. Prof. Wiedemann zeigte dann sein Können bei der Implantation von anatomischen und inversen Prothesen sowie auch bei arthroskopischen Eingriffen. Prof. Raiss demonstrierte u.a. seine Technik zur Refixation der Subscapularissehne und bei der arthroskopischen Versorgung zweier Massenrupturen. Am Abend wurden wir dann in Prof. Wiedemanns Lieblingstrattoria eingeladen, in der wir gemeinsam mit Prof. Raiss, Prof. Tauber und PD Dr. Martetschläger aus der ATOS Klinik München ein köstliches Abendessen bei ausgelassener Stimmung erleben durften.

Am folgenden Morgen wurden wir herzlich von Prof. Tauber in der Atos Klinik München begrüßt. Nach kleinem Klinikrundgang und Demonstration der Organisationsstrukturen der ATOS Klinik München, durften wir parallel in 3 OP Sälen die gesamte Bandbreite der Schulterchirurgie sowohl bei Prof. Habermeyer, Prof. Tauber und PD. Dr. Martetschläger kennenlernen. Neben ganz alltäglichen Handgriffen wie bspw. zum besseren Handling von Polyethylen-Fäden demonstrierte uns Prof. Tauber auch eine implantatfreie Rotatorenmanschettenrekonstruktion. Am Nachmittag stand dann die letzte klinische Station der Reise an. Als kleine Premiere ging es erstmals in die Schweiz, in der wir am folgenden Morgen um 07:00 von Prof. Scheibel in der Schulthessklinik herzlich in Empfang genommen wurden. In der morgendlichen Frühbesprechung mit dem Team der Oberen Extremität wurde zunächst das operative Programm besprochen bevor in einem Wissenschaftstreffen zukünftige und aktuelle Studienideen besprochen wurden. In der Schultess-Klinik fallen unmittelbar die außerordentlich gute Ausstattung und die aufgeräumten Räumlichkeiten auf. Nach der Frühbesprechung nahm uns Prof. Scheibel dann mit in den OP Trakt, wo ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm vorbereitet war. U.a. stand die Konversion einer Kappenprothese bei sekundärem Humeruskopfhochstand auf eine inverse Prothese, eine arthroskopische posteriore Stabilisierung bei rezidivierenden Luxationen, Rotatorenmanschetten-Rekonstruktionen sowie abschließend die minimalinvasive Versorgung einer dislozierten Claviculaschaftfraktur mittels TEN an. Prof. Scheibel erläuterte uns sein Vorgehen dabei detailliert. Interessant war für uns auch das Konzept der Bursa-erhaltenden Rotatorenmanschettenrekonstruktion, mit dem Ziel der Verbesserung der Sehneneinheilung. Im direkten Anschluss an das OP Programm hatten Prof. Scheibel und sein Team noch ein kleines wissenschaftliches Symposium für uns organisiert, bei dem wir auch eigene Ergebnisse und Studienideen vorstellen konnten.

Ausklingen ließen wir den Abend dann bei hervorragender Schweizer Küche in lockerer Atmosphäre mit dem Team von Prof. Scheibel.

Am frühen Morgen stand dann der letzte Teil der Reise an. Gemeinsam mit Prof. Scheibel reisten wir von den Alpen an das Meer wo wir dem Sylter "Sommerkurs Arthroskopie" beiwohnen durften. Hier standen verschiedene Themen aus der arthroskopischen und endoprothetischen Therapie von Schultererkrankungen auf dem Programm.
Zwischen einem umfangreichen theoretischen/wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn fanden wir dabei noch Zeit einen kleinen Sprung in die Nordsee zu wagen. Die letzte Station der Reise ließen wir dann bei köstlichem Fisch und Wein ausklingen.
Müde aber glücklich sind wir dann am Samstagabend wieder in der jeweiligen Heimat angekommen.

Wir möchten uns auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bei der DVSE für diese außergewöhnliche Stipendienreise bedanken. Besonderen Dank gilt den beteiligten Kollegen der von uns bereisten Schulterzentren, die uns ausnahmslos mit offenen Armen empfingen und äußerst bemüht waren uns möglichst viel von Ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung weiterzugeben. Ganz herzlich bedanken möchten wir uns zudem bei Herrn PD Dr. Moroder für die Organisation der Reise.

Valentin Rausch
Boris Sowa