Reisebericht 2017

Reisebericht DVSE Reisestipendium 2017 – Lernen von den Besten . . .

Tag 1 - Münster und Köln:
Unser Stipendium begann mit einem besonderen Austauchprogramm. Während Tim Leschinger von der Uniklinik Köln zu Prof. Steinbeck nach Münster fuhr, um dort ein buntes Programm der endoprothetischen und arthroskopischen Schulterchirurgie in zwei parallelen OP-Sälen zu sehen, fuhr Malte Holschen aus Münster zu Prof. Müller nach Köln, um neben aufwendigen arthroskopischen Ellenbogenarthrolysen auch eine mikrochirurgische Rekonstruktion eines durchtrennten N. ulnaris zu erleben. Am Abend trafen wir uns mit dem Team von Prof. Steinbeck in Münster zum gemütlichen Abendessen. Im Anschluss ging es nach Hamburg. 

Tag 2 - Hamburg:
Der Tag bei Dr. Andreas Werner begann mit einem kleinen Fauxpas unsererseits. Wir hatten die Argon Klinik zwar rechtzeitig gefunden, stellten allerdings bald fest, dass die Operationen in der Endoklinik erfolgen. Glücklicherweise war der Weg nicht sonderlich weit, so dass wir keine der spannenden Rotatorenmaschettenrekonstruktionen und auch nicht die Implantation einer schaftfreien anatomischen Schulterprothese bei einer 130 kg schweren Patientin verpassten. 
Nach getaner Arbeit in der Endoklinik ging es mit dem Zug nach Berlin, um am Abend Prof. Scheibel mit seinem Team kennenzulernen.

Tag 3 - Berlin:
Nach dem netten Abend in Berlin-Mitte fuhren wir am nächsten Morgen ins Virchow Klinikum. Hier bestand durchaus ein großes Potenzial sich zu verirren, aber mit Hilfe der Beschreibung des Vorabends haben wir die Frühbesprechung pünktlich erreicht.
Im überaus großen OP-Trakt durften wir dann in drei Sälen Prof. Scheibel und sein Team bei der Arbeit zusehen und auch assistieren. Neben RM-Rekonstruktionen und Schulterstabilisierungen standen eine proximale Humerusfraktur und eine superiore Kapselrekonstruktion auf dem Programm. Zum Schluss versorgte Prof. Scheibel ein ankylotisches Schultergelenk mit B3 Glenoid mit einer inversen Schulterprothese mit trabecular-metal Wedge. Den Zug nach Heidelberg erreichten wir trotz des langen Programms pünktlich.

Tag 4 und 5 - Heidelberg:
In Heidelberg wurden wir in der ATOS Klinik von unseren beiden Gastgebern, Prof. Loew und Dr. Lichtenberg, herzlich begrüßt und durch die überaus modernen Patientenzimmer und Praxisräume geführt. Das operative Spektrum der beiden Tage war sehr beeindruckend, da wir die beiden Operateure parallel in zwei Sälen begleiten durften. Neben dem Arbeitspferd der RM-Rekonstruktion sahen wir Revisionen einer Schulter- und einer Ellenbogenprothese sowie die Versorgung einer Bankart Fraktur bei Prof. Loew und einen Latissimustransfer über einen posterioren Zugang bei Dr. Loew.
Zwischen den beiden Operationstagen hatten wir die Möglichkeit in lockerer Runde mit den beiden Operateuren und dem Team zusammenzukommen.

Tag 6 - Pforzheim:
Nach dem Wochenende reisten wir in Pforzheim an, um zunächst mit Dr. Hollinger und Dr. Burkhart am Abend zusammenzukommen. Hier erfuhren wir bereits viel über die Entwicklung der Ellenbogenchirurgie in der Arcus Sport Klinik. Das Programm am Folgetag fand in zwei parallelen Sälen statt und war sehr beeindruckend und effizient. Neben komplexen arthroskopischen Ellenbogenarthrolysen durften wir bei Bandplastiken- und Rekonstruktionen des Ellenbogengelenkes assistieren und haben viele Tipps für das praktische Vorgehen erhalten. Neben der Ellenbogenchirurgie sahen wir auch arthroskopische RM-Rekonstruktionen und Stabilisierungen des Schultergelenkes.
Nach dem Programm ging es mit dem Zug nach Würzburg, wo uns Prof. Gohlke mit seiner Frau am Bahnhof abholte, um gemeinsam am Main zu Abend zu essen. Anschließend ging es noch nach Bad Neustadt.

Tag 7 – Bad Neustadt a. d. Saale:
Prof. Gohlke führte uns zu Beginn des Tages in die CT-basierte Planung der Schulter- und Revisionsschulterprothetik ein. Neben einer primären inversen Schulter mit Glenoidaufbau (Bio RSA) durften wir einem äußerst komplexen Revisionseingriff mit Allograft für den proximalen Humerus beiwohnen. Beim Schaft der Prothese handelte es sich um eine Sonderanfertigung, welche distal mit 3 Schrauben oberhalb der Fossa olecrani verriegelt werden konnte. Die proximale Implantatlänge wurde mit Augmenten aufgebaut. Das Allograft passte Prof. Gohlke nach der Auftauphase an die Prothese und den verbliebenen Humerus an.
Im Anschluss schafften wir es noch den letzten Zug in Richtung Agatharied zu erwischen.

Tag 8 – Agatharied:
Nach einer Übernachtung am idyllischem Schliersee ging es nach Agatharied, wo wir von Prof. Brunner und seinem Team herzlich empfangen wurden. Auch Prof. Brunner legte besonderen Wert auf die präoperative CT-basierte Planung. Das operative Programm war mit einer arthroskopischen RM-Rekonstruktion mit LBS –Tenodese und zwei Schulterprothesen (anatomisch und invers) sehr vielseitig. Insbesondere erhielten wir einen sehr guten Einblick über die Standardisierung des Zugangsweges und der Pfannendarstellung mit juxtaglenoidalem Release.
Nach dem Programm fuhren wir nach München, um mit Prof. Brunner, Prof. Raiss und Prof. Wiedemann und dem Team der beiden Abteilungen in einer Trattoria zu Abend zu essen.

Tag 9 – München (OCM Klinik):
Die OCM Klinik vereinigt diverse Experten auf dem Gebiet der Orthopädie und Sportorthopädie. Die beiden Schulterspezialisten, Prof. Raiss und Prof. Wiedemann, empfingen uns sehr herzlich und zeigten uns die Praxis- und Operationsräume und stellten uns den Kollegen der anderen Subspezialitäten vor. Wir durften die beiden Operateure in zwei unterschiedlichen OP-Sälen bei der Arbeit Unterstützen. Neben arthroskopischen Operationen mit RM-Rekonstruktion führte Prof. Wiedemann eine Reosteosynthese mit Spongiosaplastik bei einem Frakturfolgezustand Typ III durch. Prof. Raiss operierte neben zwei primären inversen Prothesen auch eine auswärtig fehlgeschlagene anatomische Prothese, die auf eine inverse Schulterprothese gewechselt wurde.
Am Abend ging es nach Bogenhausen in eine Trattoria zum Abendessen mit Prof. Tauber, Prof. Habermeyer, Dr. Martetschläger und dem Team der Atos Klinik München.

Tag 10 – München (Atos Klinik):
In der sehr beeindruckenden ATOS Klinik in München konnten wir zum Abschluss unserer Tournee immer noch etwas Neues lernen. Dr. Martetschläger demonstrierte eigene Techniken für komplexe Rotatorenmaschettenrekonstruktionen und demonstrierte uns Versorgungsstrategien für akute und chronische Verletzungen des AC-Gelenkes.
Nach dem spannenden Programm konnten wir mit vielen Eindrücken und hoher Motivation den Heimweg antreten.

 

Malte Holschen & Tim Leschinger