Reisebericht 2016

Von Hamburg nach Agatharied in 2 Wochen ...

Das zweiwöchige Reisestipendium der Deutschen Gesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie e.V. (DVSE) 2016 begann am 14.11.2016 in Münster. Pünktlich um 8 Uhr wurden wir am Eingang der Raphaels-Klinik in Empfang genommen und in den OP begleitet. In zwei OP-Sälen war ein sportliches OP-Programm mit insgesamt zehn Punkten zusammengestellt. In perfekter Organisation wechselte Herr Prof. Dr. Steinbeck zwischen den OP-Sälen. Auf dem Programm standen ein TEP-Wechsel, zwei primäre Schulter-Prothesen, vier Rotatorenmanschetten, eine ACG-Stabilisierung und zwei Schulterinstabilitäten, wovon eine mit einer OP nach Bankart und eine mit einem Coracoidtransfer (nach Latarjet) versorgt wurde. Nachdem das beeindruckende Programm um Punkt 16 Uhr zu Ende war, absolvierten wir zusammen mit Herrn Prof. Dr. Steinbeck die postoperative Visite und tauschten uns fachlich in seiner Praxis aus. Abends ging es mit dem gesamten TEAM zum Abendessen ins „Alte Gasthaus Lewe“, von dort direkt zum Hauptbahnhof und zu unser nächste Station: Hamburg. Gegen 1 Uhr trafen wir in einem Hotel direkt auf der Reeperbahn ein.

Um 8 Uhr am Folgetag trafen wir Herrn PD Dr. Werner in der Endo-Klinik. Auf dem Programm stand ein tolles OP-Programm mit zwei primären Endo-Prothesen sowie vier Rotatorenmanschetten-Rekonstruktionen. Herr PD Dr. Werner adressiert jede Ruptur anders, um das jeweils optimale anatomische Ergebnis zu erzielen. Somit konnten wir ganz verschiedene Naht-Techniken und Rekonstruktionsmöglichkeiten kennenlernen. Zudem durften wir uns den neuen OP-Bereich der Sportorthopädie anschauen. Abends ging es dann mit Herrn PD Dr. Werner, seinem Assistenten und seiner Familie in die „Almhütte Süllberg“. Am höchsten Punkt Hamburgs fühlten wir uns wie in einer schönen Skihütte mit zünftigem Essen und leckerem Bier. Direkt im Anschluss ging es dann weiter mit der Bahn nach Berlin.

Am nächsten Tag trafen wir morgens Herrn Prof. Dr. Scheibel mit seinem Team. Nach einem kurzen Begrüßungsgespräch ging es in den OP. Ein buntes Programm war in zwei OP-Sälen zusammengestellt. In einem Saal wurden zwei primäre TEPs und ein TEP-Wechsel operiert, in dem Nachbarsaal standen zwei Rotatorenmanschetten-Rekonstruktionen, eine Bankart-OP sowie eine arthroskopische Tight-Rope-Versorgung auf dem Programm. Die ACG-Stabilisierung in arthroskopisch gestützter Technik inkl. perkutatener Cerclage-Anlage in nicht mal 30 min war sehr beeindruckend. Zwischendurch gab es immer ein wenig Zeit zum fachlichen Austausch, bei dem uns Herr Prof. Dr. Scheibel auch Neuigkeiten und Zukunftsweisendes in der Schulterchirurgie zeigte und erläuterte. Nach der abschließenden Visite ging es wieder zurück zum Bahnhof und nach Heidelberg.
Hier standen zum Abschluss der Woche zwei abwechslungsreiche Tage mit Herrn Prof. Dr. Loew auf dem Programm. Am Donnerstag waren wir vormittags in den Praxisräumen der ATOS-Klinik zu Gast. In den beeindruckenden Räumlichkeiten bekamen wir einen kurzen, aber dennoch intensiven Einblick in die Differentialdiagnostik- und therapie von Herrn Prof. Dr. Loew und seinem Team. Am Nachmittag standen noch zwei arthroskopische Rotatorenmanschettenrekonstruktionen auf dem Programm. Danach ging es mit dem gesamten Team in die Heidelberger Altstadt in das Restaurant „Zum Goldenen Anker“. Bei einem gemütlichen und sehr amüsanten Abend ließen wir den Tag ausklingen. Am nächsten morgen ging es zusammen mit Herrn Prof. Dr. Loew in die Pfalz (Bad Grünstadt). Hier standen noch zwei arthroskopische Rotatorenmanschettenrekostruktion und ein Pectoralis-Major Transfer auf dem Programm. Im Anschluss ging es zu einem leckeren Imbiss und einer Weinprobe in ein schönes Lokal in der Pfalz, wo wir die Woche gemeinsam ausklingen ließen.

Das Wochenende verbrachten wir beide in unserer Heimat. Am Sonntag reisten wir dann nach Pforzheim zum Beginn der „süddeutschen Tour“. Dort trafen wir uns abends noch mit Herrn PD Dr. Hollinger in einer nahegelegenen Sports-Bar. Bei Burger, Bier und Pool-Billard nutzten wir die gemütliche Atmosphäre zum ausführlichen Erfahrungsaustausch. Am Folgetag wurden wir um 8 Uhr am Haupteingang der ARCUS Sportklinik in Empfang genommen. Nach einer ausgiebigen Führung durch die Sportklinik folgten wir Herrn PD Dr. Hollinger anschließend in den OP. Dieser Tag stand ganz im Zeichen der Instabilitäten des Ellenbogengelenkes und deren Therapiekonzepte. Im schnellen Wechsel im Doppelsaal konnten wir uns an insgesamt neun Eingriffen beteiligen. Neben einer arthroskopischen Rotatorenmanschettenrekostruktion sowie einer Materialentfernung mit zusätzlicher Arthrolyse der Schulter verfolgten wir gespannt sieben arthroskopische, überwiegend stabilisierende Eingriffe am Ellenbogengelenk. Besonders beeindruckend war die arthroskopisch eindeutige Visualisierung der Instabilitäten.
Am späten Nachmittag erfolgte dann der Bahntransfer nach Würzburg, wo wir abends auf Herrn Prof. Dr. Gohlke und seine Gattin trafen. In typischer fränkischer Atmosphäre, in der „Alten Mainmühle“, verbrachten wir einen urigen Abend bei hervorragender regionaler Kost sowie regionalen Weinen. Ein Highlight des Abends war die Führung durch den historischen Stadtkern, geleitet von Herrn Prof. Dr. Gohlke, ehe wir noch am selben Abend nach Bad Neustadt an der Saale weiterreisten. Nachdem wir überaus freundlich am Folgetag in der Klinik empfangen wurden, ging es zeitnah in den OP. Herr Prof. Dr. Gohlke demonstrierte zum Einen die Konversion einer dekompensierten anatomischen Frakturprothese zu einer inversen Prothese sowie den Wechsel von einer schaftlosen Prothese auf eine inverse Prothese. Im Anschluss an das OP-Programm demonstrierte uns Herr Prof. Dr. Gohlke noch einige spannende Fälle aus seinem reichhaltigen Bilderfundus, ehe wir nach einer kurzen Kaffee-Pause weiter ins bayrische Oberland nach Agatharied reisten. Nach einer kurzen Nacht in einer familiär geführten Pension trafen wir am Morgen auf Herrn Prof. Dr. Brunner und sein Team. Nach der Frühbesprechung, mit Präsentation aktueller traumatologischer Fälle der Nacht, folgten wir ihm in den OP und durften ihm zunächst bei einer Revision einer auswärtig durchgeführten Plattenosteosynthese bei Humeruskopffraktur mit anschließender Humeruskopfnekrose assistieren, welche anschließend mit einer inversen Prothese versorgt wurde. Als zweiter Punkt erfolgte die Konversion einer Kurzschaftprothese auf eine inverse Prothese. Bemerkenswert war insgesamt die sehr entspannte und freundliche Atmosphäre des gesamten Teams. Den Abend verbrachten wir bei einem exzellenten Essen im Hotel „Das Tegernsee“ mit einem atemberaubenden Ausblick über den Tegernsee und die angrenzende Region.

Noch am selben Abend führten uns unsere Reise in die bayrische Landeshauptstadt. Nach einer kurzen Nachtruhe waren wir am nächsten Tag in der Orthopädische Chirurgie München (OCM) zu Gast. Herr Prof. Dr. Wiedemann nahm uns überaus freundlich in Empfang und startete zunächst einen Rundgang durch den OP-Bereich der Praxisklinik. Im Anschluss durften wir bei vorwiegend ambulanten arthroskopischen Operationen der Schulter wie subakromialen Dekompressionen, ACG-Resektionen und Rekonstruktionen der Rotatorenmanschetten assistieren. Hierbei profitierten wir von der langjährigen operativer Erfahrung unseres Gastgebers. So demonstrierte Herr Prof. Dr. Wiedemann diverse Tricks und Feinheiten bei scheinbaren „Standard-Eingriffen“ im Bereich der Schulter. Insgesamt muss man auch die Organisationsstruktur (Einleitung, Wechselzeiten, Entlassung der Patienten) sowie die professionelle Patientenversorgung in der OCM hervorheben. Zum Abschluss des Tages trafen wir uns mit Herrn Prof. Dr. Wiedemann und seiner Gattin in geselliger Runde in einem exzellenten italienischen Restaurant nahe dem OCM. Komplettiert wurde die gesellige Runde durch Herrn Prof. Dr. Brunner und seine Ehefrau. In einer lockeren und harmonischen Runde ließen wir die reichhaltigen Eindrücke der letzten Tage Revue passieren.
Am letzten Tag unseres Reisestipendiums hospitierten wir in der ATOS Klinik München. Zu Beginn assistierten wir bei einer offenen Arthrolyse des Ellenbogens bei posttraumatischer Cubitalarthrose. Im Anschluss durften wir zwei Rotatorenmanschettenrekonstruktionen verfolgen. Eine Operation wurde durch Herrn Prof. Dr. Tauber durchgeführt, die Andere von Herrn Prof. Dr. Habermeyer. Hierbei konnten wir unterschiedliche Operationsstrategien von zwei ausgewiesen Schulterspezialisten bestaunen und von ihrer operativen Fertigkeit profitieren. Zum Abschluss des Operationsprogramms durften wir Herrn Prof. Dr. Habermeyer noch bei einer primären anatomischen Prothese assistieren und von seinem enormen Erfahrungsschatz profitieren. Zwischen den Operationen hatten wir die Gelegenheit uns mit Herrn Prof. Dr. Tauber und Herrn Prof. Dr. Habermeyer zu fachlichen Themen rund um die Schulter- und Ellenbogenchirurgie und zu gesundheitspolitischen Themen auszutauschen.

Nach 2 Wochen, knapp 3000 Reisekilometer durch die Republik und 37 Operationen im Bereich der Schulter und des Ellenbogens, auf höchstem technischem Niveau, traten wir dann unsere Heimreise an.
Wir möchten uns auf diesem Wege ausdrücklich bei all unseren Gastgebern für die intensive, überaus herzliche und extrem professionelle Betreuung, sowie das Teilen ihres jeweiligen Erfahrungsschatzes bedanken. Ein weiterer Dank gilt der Deutschen Gesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie e.V., dass wir für dieses Reisestipendium ausgewählt worden sind. Ferner möchten wir uns bei Herrn PD Dr. Andreas Werner für die Zusammenstellung der Hospitationsstandorte bedanken. Die fachlichen und persönlichen Erfahrungen des Fellowships werden sich maßgeblichen auf unseren persönlichen und beruflichen Alltag auswirken. Wir können die Teilnahme an diesem Stipendium uneingeschränkt empfehlen.

Matthias Bülhoff und Tim Schwarting