August 2016 in der Abteilung der Unfall- und Handchirurgie der St. Vincentius Kliniken Karlsruhe

Erfüllt von Tatendrang und angenehmer Spannung blickte ich auf eine fast 5-wöchige Zeit, in der ich endlich weg von den Büchern kommen und (hoffentlich) etwas praktische Erfahrung sammeln würde.

Mit dem Satz: „Hallo, da sind Sie ja, dann gehen wir mal hoch in den OP“ (so, oder so ähnlich) ging es schließlich los.

Während meiner Famulatur wurde ich vollständig in den Tagesablauf der Klinik integriert. Die Vielseitigkeit der Arbeit in der Unfallchirurgie wurde mir schnell bewusst, da ich sowohl bei der Stationsarbeit, in der Notaufnahme, im OP, als auch an einer der vielen Sprechstunden bzw. der Prämedikationsambulanz mitwirken konnte. Bei der Stationsarbeit versuchte ich die Ärzte durch Blutentnahmen und durch das Legen von Venenverweilkanülen zu unterstützen und begleitete die prä- und postoperativen Visiten.

In der interdisziplinären Notaufnahme der Klinik wurden von den Unfallchirurgen sowohl kleinere, als auch größere Verletzungen des gesamten Bewegungsapparates versorgt. Der erst im vergangenen Jahr neu gestaltete Schockraum der Klinik war gut ausgestattet und ermöglichte die Aufnahme und Versorgung von Politraumata nach aktuellen Standards. So hatte ich die Gelegenheit ca. 5 Schockräume zu begleiten und das ABC-Schema, sowie den Ablauf genau zu verinnerlichen.

Aber auch die Anamnese, die körperliche Untersuchung von Patienten und das Schreiben von Ambulanzbriefen, sowie die chirurgische Wundversorgung u.a. von Schnitt- und Platzwunden in Lokalanästhesie übernahm ich unter Anleitung. Zum Ablauf gehörte es auch Röntgen- und CT-Bilder einzuschätzen um frühzeitig weitere notwendige Schritte einleiten zu können und die Wartezeit der Patienten auf Röntgenbefunde zu verkürzen. Je nach OP wurde ich als 1. oder 2. Assistenz eingeteilt und selbst, wenn dies nicht der Fall war konnte ich immer zuschauen. Hierbei bemühten sich alle Operateure ausnahmslos mir ihre Vorgehensweise näher zu bringen und meine Fragen zu beantworten, sodass ich bei jeder OP etwas mitnehmen konnte. Zum Operationsspektrum zählten alle Verletzungen des Bewegungsapparates. Aber hauptsächlich Verletzungen und chronische Erkrankungen der oberen Extremität. So sah ich sowohl im OP, als auch in der Ambulanz viele Frakturen (u.a. Humerusschaft-, distale Radius-, Radiuskopf-, Olecranon-, Clavicula-, Tibiaplateau-, Oberschenkelhals-, als auch Weber - A bis - C - Frakturen).

Arthroskopische Eingriffe erfolgten zur Diagnosesicherung, sowie als minimalinvasive Operationsmethode bei Impingementsyndrom, bei Verletzungen des Bandapparates an Schulter und Ellenbogen, sowie zur Entfernung freier intraartikulärer Gelenkkörper (Schulter und Ellenbogen). Die operative Versorgung der in der Praxis häufig bei Sportlern gesehenen chronischen postero-lateralen Instabilität des Ellenbogens („Pitchers Elbow“) mittels LUCLPlastik gehörte genau wie die Ostheosynthese der oben genannten Frakturen und das Refixieren von Supraspinatussehnenrupturen mehr oder weniger zur Tagesordnung. Aber auch der Einsatz von verschiedenen Schulterprothesentypen, sowie von Duokopfhüftprothesen erfolgte regelmäßig.

In den verschiedenen Sprechstunden (z.B. spezielle Schulter- und Handsprechstunden) lernte ich zahlreiche neue Untersuchungsmethoden und einige, der mir bisher nur in der Theorie bekannten Tests zur Diagnose von speziellen Verletzungen in der Praxis kennen und anwenden.

Zu den spannendsten Fällen, die ich gesehen habe gehörten eine alte Schussverletzung eines Ellenbogens, die u.a. mit einer Radiuskopfprothese versorgt wurde und eine durch einen Sturz entstandene Humerusschaftrefraktur, bei der die Winkelstabileplatte der bereits erfolgten Plattenosteosynthese um ca. 50° verbogen war. Alles in allem wurden meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Das Team der Unfallchirurgie hat sich viel Zeit genommen und mir immer bereitwillig Rede und Antwort gestanden. So wurde die kurzfristig vorherrschende gähnende Leere der Ambulanz zu der ein oder anderen Lehreinheit in Sachen Naht- und Knotentechniken oder zur Besprechung von MRT- und CT-Bildern genutzt.

Die 5 Wochen gingen vorbei wie im Flug und entfachten meine Begeisterung für die Orthopädie und Unfallchirurgie auf ein Neues.

Svenja Haag