Personalia

Laudatio Professor Resch

Magnifizenz, sehr geehrter Herr Professor Resch, hohe Fakultät, sehr geehrte Festgemeinde, lieber Herbert,

eine Laudatio, nein, so etwas will er nicht hören! Dafür ist Professor Resch ein viel zu bescheidener Mensch. Eitelkeit ist ihm ein Gräuel.
Aber eine Laudatio ist etwas anderes als eine Abschiedsrede, so wie eine Emeritierung sich auch von einer Pensionierung unterscheidet. Emeritiert werden nur Päpste, Bischöfe, Domkapitulare und Universitätsprofessoren, alle anderen werden pensioniert.
Insofern lieber Herbert, kannst du jetzt auch die Laudatio genießen, du wirst ja nur emeritiert.
Aber wo soll ich mit der Laudatio anfangen? Du bist nicht einfach nur weltweit einer der bedeutendsten Schulterchirurgen, du bist gleichzeitig Primarius der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am Landeskrankenhaus Salzburg und in der Bedeutung noch weit darüber der Gründungsrektor der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg.
All diese Ämter mit ihrer Arbeitsvielfalt lassen die Zuhörer schon ahnen, dass jetzt eine Litanei von Würdigungen auf Dich zukommt. Das will ich aber abkürzen und auf das Eigentliche eingehen, was dich auszeichnet, was dich bewegt und motiviert hat.
Die vorangegangenen Vorträge haben das klinisch-wissenschaftliche Oeuvre von Prof. Resch schon herausgestellt. Sucht man Prof. Resch im Pub Med werden für den Bereich Schulter 84 und für das Trauma 156 Artikel ausgewiesen. Das zeigt zwei Dinge:
Prof. Resch war nicht nur als Spezialist unterwegs, sondern auch im gesamten Bereich der Traumatologie zuhause.
Und zweitens wurde an seiner Abteilung Wissenschaft groß geschrieben, auch schon bevor sie universitär war. So hat er die Assistenten zur Wissenschaft "verdonnert", umgekehrt aber auch mit Prämien für Impact-Punkte belohnt.

Er stand exemplarisch für Transparenz und Evidenz in der Forschung. So hat er von unabhängigen schwedischen Wissenschaftlern, die er nach Salzburg eingeladen hatte, seine Patienten nachuntersuchen lassen und die Ergebnisse unter ihren Namen veröffentlicht. Das nenne ich ehrlich!


Bleiben wir noch bei seinen Publikationen. Es fällt auf, dass Resch nie Mainstream war, nie den operativen Moden hinterher lief, sondern immer seinen eigenen Weg ging. Und das wiederum hängt zusammen mit seinem steten Drängen den Dingen auf den Grund zu gehen.

Niemand erklärt die Oberarmkopffraktur besser als die Resch-Schule. Da wird die Frakturmorphologie mit dem Frakturmechanismus in Kombination gebracht und statt einer Platte, die nur ein zweidimensionales Arbeiten erlaubt, wird ein perkutanes Fixationssystem (Humerusblock) eingeführt, das die Refixation dreidimensional gestattet.

Als unfallchirurgischer Nachbar sehe ich in München viele Röntgenbilder von anderswo operierten Schulterfrakturen. Nirgendwo wird die schwierige Kunst der Oberarmkopffraktur-Behandlung so beherrscht wie in Österreich. Das ist so, weil beginnend mit den ersten Schulteroperationskursen in Innsbruck in den 80ern und nach über 22 Jahren „Salzburger Schulterforum“ bereits eine 2. Generation von Schulterchirurgen in Österreich zu Verfügung steht, die verstanden haben, was Prof. Resch ihnen gelehrt hat.

Auf meine Frage an Prof. Resch was die größte Enttäuschung in seiner chirurgischen Laufbahn war, antwortete er die Fehlentwicklung bei der Plattenosteosynthese der Oberarmkopffraktur. Trotz hoher Komplikationsraten wird von der Industrie eine teure offene OP Technik in den Markt gedrückt, die der perkutanen Fixation unterlegen war. Diese Form der Marktpolitik konnte Prof. Resch als Arzt für seine Patienten nicht verantworten.

Kommen wir zu einem erfreulicheren Erlebnis. Seine fundamentalen Kenntnisse der Humeruskopffraktur wurden im Jahre 2010 auf dem Schulterweltkongress in Edinburgh honoriert mit einer eingeladene Vorlesung zu Ehren des amerikanischen Pioniers und Gründervaters der Schulterchirurgie Ernest Codman. Die Codman Lecture ist die wissenschaftlich größte Anerkennung, die einem Schulterchirurgen zu Ehre werden kann.

In Europa gehörte Resch zusammen mit Professor Gschwend und Didier Patte , mit Gilles Walch und Christian Gerber zu den Gründervätern der Europäischen Gesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie, zu deren Kongresspräsident und Gesellschaftspräsident er in den folgenden Jahren wurde. Unter seiner Ägide öffnete sich die Gesellschaft in Richtung Osteuropa und unterzog sich einem Demokratisierungsprozess.

Die amerikanische Vereinigung der Schulter- und Ellenbogenchirurgen rief ihn zum
Corresponding Member und auch wir Nachbarn in Deutschland freuen uns, ihn als Ehrenmitglied der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie gewählt zu haben. Gast Professuren führten ihn nach Italien, in die Schweiz und an die Columbia-University in New York.

Aber warum in die Ferne schweife, liegt das Gute doch so nah! Dabei denke ich an das seit 1993 in Salzburg jährlich stattfindende SCHULTERFORUM. Immer am 1. Adventswochenende rief Prof. Resch die Österreichischen Schulterchirurgen zusammen um zusammen mit ausgewählten Gästen ein oder zwei Spezialthemen bis auf den tiefsten Grund zu hinterfragen. Das war Resch Schule pur und nirgendwo sonst auf den Kongressen wurde so offen und ehrlich diskutiert wie hier.

Aber bei all seiner Spezialisierung darf man nicht übersehen, dass Prof. Resch 1993 zum Primarius der Abteilung für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie des Landeskrankenhauses Salzburg berufen wurde. Als Unfallchirurg fühlte er sich primär verpflichtet. Die Traumatologie war sein Fundament auf dem er als Chirurg stand.

Auch in der Unfallchirurgie übernahm er Verbandsfunktionen. Er war Vizepräsident der Österreichischen AO von 1999 – 2007 und er war ihr Gesellschaftspräsident 2005 sowie Kongresspräsident der Deutschsprachigen Arbeitsgesellschaft für Arthroskopie 2006.

Unter seiner Leitung wurde die Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie als überregionales Trauma-Zentrum im deutschen Trauma-Netzwerk zertifiziert. Damit gehört das Landeskrankenhaus Salzburg als einzige österreichische Einrichtung zur höchsten Versorgungsstufe der Trauma-Zentren und hat sich durch ein äußerst aufwendiges Zertifizierungsverfahren dafür qualifiziert.

Nun wie war Prof. Resch als Chef? Ich zitiere einen früheren Mitarbeiter : „ Er hat zwar eine gerade Linie vorgegeben und seine Mannschaft getrimmt, aber schlussendlich zeigte er immer Mitgefühl und "Erbarmen". Er genoss vollen Respekt der Mitarbeiter, weil er mit allen Berufsgruppen gut klar kam und von allen als ein "guter Chef" anerkannt war.

Und was für ein Chirurg war er?
"Niemals aufgeben"!
Herbert hat immer nach Lösungen gesucht. Auch wenn diese noch so schwierig waren, so versuchte er stets den Patienten zu helfen und hat dem Patienten nie allein gelassen. Zu sagen "da kann man nichts mehr machen" gab es für ihn nicht.

Auf meine Frage, was er für sich selbst als größte Leistung sieht, so ist das zusammen mit Prof. Julian Frick die Akkreditierung der Paracelsus Medizinische Universität im Jahre 2002, wofür er auch das Ehrenzeichen des Landes Salzburg für die Gründung der Universität erhielt.

Welchen Willen und Mutes bedarf es, um die Vision einer Universitätsgründung wirklich werden zu lassen? Es bedarf eines Urgesteins, einer unangefochtenen Führungspersönlichkeit um die Überzeugungsarbeit zu leisten und alle ins Boot zu holen. Nur wer bereit ist schwierigste Hindernisse zu beseitigen, kann die Zweifler überzeugen.
Alles wurde gemeistert, die Finanzierung, ein innovatives Curriculum und die Qualitätsstandards. Heute gehört die PMU zu den beliebtesten und begehrtesten medizinischen Universitäten in Europa.

Stellvertretend für alle im Saal kann ich mit einem Blick zurück sagen:
Deine Patienten, deine Mitarbeiter, deine Studenten und die Fakultät sind dir zu größtem Dank verpflichtet. Du hast unendlich viele Stunden Deines Lebens in den Dienst der Medizin gestellt, aber Du hast als Mann diese Augenblicke genossen. Die Kraft, die es dazu brauchte, hast Du von Deiner lieben Familie bekommen.

Gehalten von Prof. Dr. Peter Habermeyer anlässlich der Emeritierung von Herrn Prof. Dr. Resch Ende Mai 2015

Prof. Resch