Reisebericht 2013

Münster, Berlin, Hamburg, Hannover, Pforzheim, Heidelberg, München
kreuz und quer durch die Bundesrepublik führte uns das DVSE Reisestipendiums 2013

Das zweiwöchige Reisestipendium der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie führte uns zu Beginn zu Prof. Dr. Jörn Steinbeck nach Münster. Montags früh fanden wir uns zum ersten OP-Tag in die Raphaelsklinik Münster GmbH ein. Nach sehr herzlicher Begrüßung erwartete uns ein spannendes OP-Programm mit endoprothetischen und arthroskopischen Eingriffen. Beeindruckend war die freundliche und herzliche Atmosphäre im OP sowie das professionelle Zusammenspiel von OP-Pflege, Anästhesie und ärztlichem OP-Team. Nach dem erfolgreichen OP-Tag wurden wir mit dem ärztlichen Team der Praxisklinik von Prof. Steinbeck im Edelitaliener "Il Divino" am Münsteraner Aasee zu Tisch gebeten. Eine exzellente Speisenfolge krönte diesen Tag. Am nächsten Morgen verbrachten wir noch einen halben OP-Tag mit Prof. Steinbeck bei endoprothetischen und arthroskopischen Eingriffen. Erneut durften wir uns einwaschen und uns direkt am OP-Tisch uns von seinen Erfahrung und operativer Souveränität überzeugen. Nachmittags machten wir uns nach Berlin auf, wo wir in der Charité - Universitätsmedizin Berlin mit dem Team von Prof. Dr. Markus Scheibel ein wissenschaftliches Symposium abhielten. Nach sehr interessantem Forschungsdialog mit Präsentation eigener Forschungsergebnisse und Studien der Berliner Gruppe ließen wir den Abend im Berliner Grill Royal mit königlichem Chateaubriand ausklingen. Der nächste Tag brachte uns Hautschnitt 7.00 Uhr und Schulter-OPs in zwei Sälen mit einer Mischung aus Endoprothetik, offener (Latarjet) und arthroskopischer Schulterstabilisierung sowie arthroskopsicher Versorgung einer terrible triad Verletzung ein. Bei den Operation und vor allem bei der arthroskopischen terrible triad Verletzung demonstrierte Prof. Scheibel sein enormes operatives Geschick.

Am Freitag und Samstag durften wir am Hannoveraner Arthroskopie- & Gelenkkurses teilnehmen. Von Philipp Lobenhofer, Prof. Dr. Helmut Lill und PD Dr. Jens Agneskirchner wurden wir freudig empfangen. Der Kurs bot 14 Live-OPs durch hochkarätige Operateure an Schulter, Hüfte und Kniegelenk. Die Schultereingriffe waren mit acht OPs stark vertreten, sodass sich die Teilnahme am Kurs fürs uns schulter- und ellenbogeninteressierte besonders lohnte.

Am Sonntag erfolgte der Transfer in den Süden für die Süddeutsche Woche unseres Reisestipendiums. Die zweite Woche des Stipendiums startete in Pforzheim in der ARCUS Sportklinik bei Dr. Boris Hollinger. Wir wurden freundlichst empfangen und direkt in den OP geleitet. Auf dem OP-Programm stand eine spannende Auswahl an Ellenbogeneingriffen. Dr. Hollinger demonstrierte uns zudem die differenzierte Untersuchung der Ellenbogeninstabilität und die Notwendigkeit der arthroskopischen Visualisierung einer radialen oder ulnaren Instabilität des Ellenbogengelenks. Die OP-Pausen nutzen wir für ausführlichen fachlichen Austausch. Nach erfolgreichem OP-Tag erhielten wir eine ausgiebige Führung durch die ARCUS Sportklinik.

Am Montagabend erwartete uns das Team der ATOS Klinik Heidelberg mit Dr. Sven Lichtenberg und Dr. Petra Magosch im Heidelberger Rossini zu einem gemeinsamen Abendessen. Nach delikatem Rinderfilet und vorzüglichem Rotwein wurden wir vom Assistententeam noch auf einen Absacker in die Heidelberger Altstadt gebeten. Der OP-Tag in der ATOS Klinik Heidelberg startete mit einer arthroskopischen RM-Rekonstruktion durch Prof. Dr. Markus Loew und einer anatomischen Hemiprothese bei Omarthrose durch Dr. Lichtenberg. Darauf folgte ein Prothesenwechsel und eine Primärimplantation einer Kurzschaftprothese bei Humeruskopfnekrose infolge einer Humeruskopfmehrfragmentfraktur. Nachmittags durften wir noch bei Dr. Lichtenberg in der Sprechstunde hospitieren, bevor wir uns am Abend nach München aufmachten.

Am Mittwoch hospitierten wir in der ATOS Klinik München. Zwei Revisionen von Schulterhemiprothesen und sechs arthroskopische Operationen durch das Team von Prof. Dr. Peter Habermeyer und PD Dr. Mark Tauber standen auf dem OP-Programm. Bei den arthroskopischen Eingriffen demonstrierte PD Dr. Tauber sein außerordentliches Geschick. Bei den Prothesenwechseln war die ganze operative Erfahrung von Prof. Habermeyer gefragt. In einem Fall wurde eine Hemiprothese auf eine inverse Prothese gewechselt; im zweiten Fall ein Oberflächenersatz am Humeruskopf durch eine totale Humeruskopfprothese ersetzt. Den Abend ließen wir auf Einladung von PD Dr. Tauber bei asiatischer Küche und interessanter wissenschaftlicher Diskussion über die Versorgung von akuten und chronischen Instabilitäten des AC-Gelenks und knöcherne Aufbauverfahren bei knöchernem Glenoiddefekt ausklingen.

Am Donnerstag waren wir in der Orthopädischen Chirurgie München (OCM) bei Prof. Dr. Ernst Wiedemann und Dr. Claudius Zeiler zu Gast. Wir wurden sehr freudig begrüßt. Sodann wurden wir gleich in den OP geleitet: Acht arthroskopische Eingriffe standen auf dem Programm. Neben schwierigen Rotatorenmanschettenrekonstruktionen erfolgten auch zwei Stabilisierungen mittels Bankart Repair in Seitlage. Die OP-Pausen wurden zu intensivem fachlichem und auch überaus freundlichem Austausch über Hochschulkarriere, Praxisgründung und verschiedene Modelle der niedergelassenen ärztlichen Tätigkeit genutzt.

Am Freitag und Samstag durften wir beim ATOS-Ellenbogenkurs in München bei PD Dr. Mark Tauber und Herrn Dr. Sven Lichtenberg teilnehmen. Dieser Kurs rundete unsere Reise durch die deutschen Schulter- und Ellenbogenzentren ab und legte zuletzt noch den Focus auf den Ellenbogen. Nach Vorträgen am Freitagabend durch die Spezialisten des Gebietes durften wir am Samstag unter Anleitung am Cadaver die im Wochenverlauf gesehenen Operation durchführen. Insbesondere wurde neben der Arthroskopie des Ellenbogens die radiale und ulnare Seitenbandplastik trainiert.

Nach zwei intensiven Wochen und zwei Kursen an den Wochenenden konnten wir in allen Belangen wissenschaftlich und fachlich überaus profitieren. Die zwei Wochen des Fellowships waren zwar anstrengend, dennoch überwiegen die vielen Eindrücke und positiven Erfahrungen bei weitem. In allen DVSE-Ausbildungszentren wurden wir herzlich und freudig aufgenommen und es entstanden ehrliche und aufschlussreiche Gespräche mit den Mentoren.

Wir möchten uns auf diesem Wege bei allen Kollegen für die Gastfreundschaft und den lehrreichen Wissensaustausch bedanken. Zuletzt gilt der Dank der DVSE und der Firma medi für die finanzielle und logistische Unterstützung auf unserer Reise. Schulter- und ellenbogeninteressierte junge Kollegen sollten die Möglichkeit einer Bewerbung für das Reisestipendium nicht verpassen.


Tobias Kraus und Arne Berner