Reisebericht 2012

Unsere Reise begann Sonntagnachmittag per Zug vom Ruhrgebiet und Westfalen aus kommend zunächst am Kölner Hauptbahnhof, wo wir uns trafen, um unsere 2-wöchige Reise gemeinsam anzutreten. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass wir uns zu unserem ersten Treffen zum Abendessen mit Dr. Boris Hollinger in Pforzheim verspäten würden, da der Wochenendrückverkehr mit überfüllten und verspäteten Zügen nichts Gutes versprach.Wie befürchtet, so trat es auch ein, so dass wir nur über Umwege, unsere gebuchten Züge verpassend, zunächst in Karlsruhe am Hauptbahnhof strandeten, um dann endlich nach erneutem Warten einen Zug nach Pforzheim zu bekommen. Dort trafen wir dann abends um 20.30 Uhr ein und hatten Glück, dass das von Dr. Hollinger empfohlene Hotel direkt neben dem ebenfalls empfohlenen Sports-Bistro lag, so dass wir nur gering verspätet dort eintrafen und einen gut gelaunten Dr. Hollinger mit seiner Assistentin Stefanie Franke trafen. Hier ging unser Gastgeber, als Vorlauf zu unserem operativen Programm am Folgetag, auf die Instabilitäten des Ellenbogens und deren klinische Differenzierung ein.

Am nächsten Morgen holte uns Dr. Hollinger gegen 7.00 Uhr ab und zeigte uns zunächst die Räumlichkeiten der ARCUS Sportklinik, bevor wir ihn anschließend in den OP begleiteten. Hier durften wir mehreren Ellenbogenarthroskopien beiwohnen und konnten uns von den tags zuvor angesprochenen Instabilitäten innerhalb der Operationen überzeugen, welche arthroskopisch eindeutig visualisiert und therapeutisch angegangen werden konnten. Dabei sahen wir zunächst eine Stabilisierung einer ulnaren Instabilität eines Handballers mit einem Gracilis-Transplantat und anschließend eine radiale Instabilität eines 61-jährigen Patienten, welche mittels eines Tricepssehnengraft therapiert wurde. Nach einer kurzen Begrüßung durch Dr. Thomas Ambacher im Arztzimmer zwischen den OP-Punkten, sahen wir anschließend eine arthroskopische Arthrolyse und eine erneute Gracilis-Sehnen-Transplantation am ulnaren Ellenbogen nach altem kindlichen Epikondylus-ulnaris-Ausriß. Der Tag endete mit einer Stabilisierung einer akuten ACG-Sprengung, wonach wir uns bereits zügig verabschieden mussten, um unseren Zug nach Heidelberg nicht zu verpassen. Als Fazit ist zu sagen, dass allein dieser eine Tag uns ganz neue Einblicke in die insbesondere arthroskopische Ellenbogenchirurgie verschafft hat und uns auch die Wichtigkeit der arthroskopischen Visualisierung von Instabilitäten verdeutlicht hat. Dr. Hollinger merkt man dabei seine langjährige Erfahrung in der Ellenbogenchirurgie, aber auch seinen Spass, dies alles zu vermitteln, in jeder Minute an. Dies alles gepaart mit einer sehr netten und freundschaftlichen Atmosphäre war ein absoluter Gewinn.

Noch am selben Abend konnten wir mit Prof. Dr. Markus Loew, Dr. Sven Lichtenberg und ihrem Assistententeam in einem italienischen Restaurant in der Heidelberger Altstadt den zweiten Abend in angenehmer Atmosphäre ausklingen lassen. Am folgenden Morgen wurden wir von einem Assistenten nach einer kurzen Führung durch die Räumlichkeiten in den OP gebracht, wo Prof. Loew uns bereits erwartete. Zunächst konnten wir der Implantation einer anatomischen Kurzschaftprothese bei primärer Omarthrose zusehen. Nach einer offenen Kapulotomie bei einem 13-jährigen Jungen mit in Fehlstellung ausgeheilter kindlicher suprakondylärer Humerusfraktur zeigte Prof. Loew uns noch eine arthroskopische Rotatorenmanschettenrekonstruktion. Leider mussten wir uns danach schon rasch verabschieden, um unseren Zug nach München zu erreichen. Zusammenfassend sahen wir eine gut organisierte und strukturierte Klinik mit großer operativer Erfahrung und einer freundlichen Atmosphäre.

Noch am Abend fuhren wir von Heidelberg mit dem Zug nach München und von dort mit dem Auto raus ins bereits schneebedeckte bayrische Oberland nach Agatharied, wo wir auf Empfehlung von Prof. Dr. Ulrich Brunner in einer sehr familiären bayrischen Pension unterkamen. Nach einigen Stunden Schlaf begrüßte uns Prof. Brunner am nächsten Morgen in seinem architektonisch sehr reizvollen Klinikum. Nach der Frühbesprechung in der allgemein traumatologische Fälle der Nacht besprochen wurden, folgten wir ihm in den OP und durften ihm zunächst bei einer Revision einer auswärtigen Nagelosteosynthese mit Humeruskopfnekrose assistieren, welche anschließend mit einer inversen Prothese versorgt wurde. Anschließend führte Prof. Brunner eine kombinierte arthroskopisch-offene Rotatorenmanschettenrekonstruktion nach Massenruptur bei einem 50-jährigen Mann durch, um dann in der nächsten OP anschließend wieder eine inverse Prothese bei Cuff-Arthropathie zu implantieren. Neben seiner operativen Erfahrung waren wir sehr von seiner entspannten und freundlichen Art angetan, die mehr als nur kollegial war.

Am Abend fuhren wir dann wieder nach München, um im Augustiner-Keller und anschließend im Heart den Abend ausklingen zu lassen. Den folgenden Feiertag genossen wir in München mit Besuch der neuen Pinakothek und diverser Cafés. Abends waren wir dann mit Prof. Dr. Ulrich Brunner und Prof. Dr. Ernst Wiedemann samt Gattinnen bei einem sehr guten Italiener verabredet. Zusammen verlebten wir einen sehr angenehmen Abend mit verschiedenen kulinarischen Insider-Tipps seitens der Gastgeber.

Am nächsten Tag stand dann die Orthopädische Chirurgie München (OCM) auf dem Programm. An diesem Tag wurden vorwiegend ambulante arthroskopische Operationen der Schulter wie SADs, ACG-Resektionen, Kalkdepotentfernung, Stabilisierungen oder Rotatorenmanschettennähte durchgeführt. Dies alles führten Prof. Wiedemann und sein Kollege Dr. med. Claudius Zeiler in zwei Sälen mit enorm routinierten, sicheren und schnellen Handling durch und verrieten selbst bei scheinbaren Routine-Eingriffen der Schulterchirurgie immer wieder technische Tricks und Kniffe. Auch die Organisation der OCM beeindruckte von der Einleitung über die Wechselzeiten bis hin zur Entlassung der Patienten. Eine von der Organisation bis hin zur Operation optimierte Klinik, in der Patientenversorgung professionell und reibungslos mit viel operativer Erfahrung umgesetzt wird.

Nachdem jeder von uns das Wochenende zuhause verlebt hatte, sahen wir uns am Sonntagabend wieder. Diesmal in Würzburg, um Prof. Dr. Frank Gohlke mit seiner Kollegin Franziska Loos und PD Dr. Dirk Böhm mit Gattin zum mittlerweile traditionellen DVSE-Stipendiaten-Abendessen im Nikolaushof über den Dächern Würzburgs zu treffen. Da wir beide in Würzburg studiert hatten, war uns die Stadt natürlich nicht fremd. Es war für uns beide wieder sehr schön, einen Abend mit Frankenwein und bischöflichem Residenzstadt-Panorama zu verbringen. Noch am Abend nahm uns Prof. Gohlke dann nach Bad Neustadt mit, wo wir im hiesigen (trotz des Namens preiswerten) Schlosshotel nächtigten, um Prof. Gohlke am nächsten Morgen in der Klinik um 7.30 Uhr anzutreffen. Hier sahen wir zunächst eine endoprothetische Versorgung einer Schulter mit einer anatomischen Prothese und anschließend eine inverse Prothesenversorgung bei schwierigen intraoperativen Verhältnissen mit glenoidalem Knochenverlust, wobei Prof. Gohlke unter Zuhilfenahme von Spongiosa-Impaction-Grafting die glenoidale Komponente sicher verankerte. Insbesondere bei dieser Operation zeigte sich die fundierte Kenntnis in Theorie und Umsetzung der Schulterendoprothetik und das intraoperative Reagieren auf komplizierte Situationen. Am Ende führte Prof. Gohlke noch einen offenen Kapselshift bei einem voroperierten undirektional-instabilen 20-jährigen durch, bevor wir uns dann bereits auf den Weg zum Bahnhof machen mussten, wo der Zug nach Berlin wartete, wo wir zwei Tage verbringen würden.

Nach einer kurzen Nacht fanden wir uns bereits um 7.00 Uhr in der Charité - Universitätsmedizin Berlin ein, um Prof. Dr. Markus Scheibel und Dr. Christian Gerhardt zu treffen, die uns auf einen Ritt durch die Schulterchirurgie einluden. Nach Refixation einer distalen Bizepssehnenruptur sahen wir die endoprothetische Versorgung einer Patientin mit primärer Omarthrose mittels Kalottenersatz. Nach Visitierung aller schulterchirurgische Patienten auf den unfallchirurgischen Stationen konnten wir bei einem Latissimus-dorsi-Transfer in Beach-chair-Position assistieren. Zum Abschluss des ersten OP-Tages überzeugte Prof. Scheibel uns mit seinem arthroskopischen Geschick bei der Versorgung einer veralteten ACG-Sprengung mit Tight-rope und Gracilis-Transfer. Im Anschluss hatte Prof. Scheibel ein kleines wissenschaftliches Symposium zu aktuellen Forschungsthemen organisiert. Abends trafen wir uns zur Verabschiedung von Dr. Stefan Greiner, der nach langen Jahren an der Charité eine neue Herausforderung angenommen hatte. Am Folgetag standen eine Eclipse-Prothese mit Glenoidersatz, eine arthroskopische ACG-Stabilisierung und ein Patient mit einer supraglenoidalen Zyste, welche arthroskopisch entleert wurde, auf dem OP-Plan. Abschließend konnten wir noch einen kurzen Blick in die Sprechstunde werfen, bevor wir uns zur Weiterfahrt nach Hannover aufmachen mussten. Wir möchten uns noch einmal für die freundliche, kollegiale und jederzeit für Fragen offene Atmosphäre bedanken.

Von Berlin ging es dann weiter nach Hannover, wo wir noch am Abend unserer Ankunft mit Prof. Dr. Helmut Lill und PD Dr. Christine Voigt verabredet waren. Wir trafen uns zunächst in der Klinik, um dann ganz in der Nähe einen Italiener aufzusuchen, wo wir hervorragende italienische Spezialitäten probieren durften, während uns Prof. Lill den Aufbau und die Organisation des Friederikenstifts erklärte. Am nächsten Morgen nahmen wir zunächst an der Frühvisite teil, um dann anschließend im OP Prof. Lill bei einem Latissimus dorsi Transfer in der Gerber-Technik zu assistieren, welchen er schnell und sicher umsetzte. Anschließend sahen wir eine primäre inverse Prothesenversorgung einer Head-split-Fraktur mit zusätzlich weicher Tubercula-Qualität, welche einer Frakturprothese nicht mehr zugänglich war. Anschließend demonstrierte Prof. Lill noch eine arthroskopische SSP-Refixation und LBS-Tenodese, um als letzten Punkt einen Re-Re-Do mit Hakenplatte und Weaver-Dunn nach Tight-rope Versagen aus einer früheren Operation durchzuführen. Da am nächsten Tag der große Hannoveraner Arthroskopie- & Gelenkkurs war, bekamen wir (quasi hinter den Kulissen) einen Eindruck vom planerischen und logistischen Aufwand einer solchen Veranstaltung. Trotz des Vorbereitungsdrucks wurden wir von Prof. Lill, Dr. Voigt und den Mitarbeitern immer gut betreut und konnten jederzeit Fragen stellen. Insgesamt fanden wir auch hier eine sehr angenehme und freundliche Atmosphäre des Willkommens, wofür wir uns nochmals bedanken möchten. Den Abschluss unseres Aufenthalts in Hannover bildete die Teilnahme am Hannoveraner Arthroskopie- & Gelenkkurs, der mit vielen interessanten Fällen von Schulter und Ellenbogen gespickt war und ein echtes Highlight zum Wochenabschluss darstellte.

Dank der wegen eines süddeutschen Feiertags verkürzten ersten Woche machten wir uns am Sonntagabend nach einem Wochenende im Kreis der Familie noch für einen Tag nach Münster auf. Prof. Dr. Jörn Steinbeck holte uns vom Hotel ab, um mit uns am Aasee in schönem Ambiente mit Dr. Kai Witt und Prof. Dr. Dennis Liem zu Abend zu Essen. Am folgenden Morgen nahm uns Prof. Steinbeck in den OP in die Raphaelsklinik Münster GmbH mit, wo wir einer arthroskopischen Subscapularis-Rekonstruktion, einer anatomische und zwei inversen Schulterprothesen sowie einer Revision 16 Jahre nach Ellenbogen-Prothese bei gebrochenem PE zusehen konnten. Diese Eingriffe führten Prof. Steinbeck und Dr. Witt in zwei Sälen mit hoher operativer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit durch und fanden zwischendurch immer Zeit für ein konstruktives Gespräch. Nachmittags konnten wir noch einen Blick in die fußläufig zu erreichende Praxis werfen, wo Prof. Steinbeck uns die Entwicklung der Praxis erläuterte. Zusammenfassend überzeugten uns der reibungslose Ablauf im OP, wie auch die gute Organisation und die freundliche Stimmung.

Abschließend war für uns dieses Fellowship eine einzigartige Erfahrung, welches uns viele neue Einblicke und Erfahrungen beschert hat und wir einige der führenden Schulter- und Ellenbogenchirurgen kennenlernen und deren medizinisches Know-How erleben durften. Vielen Dank dafür.


Birgit Werner und Matthias Königshausen