MR-basierte 3D Analayse der Pathomechanik der traumatischen und atraumatischen Schulterinstabilität

v. Eisenhart-Rothe R., Graichen H.
Forschungsgruppe Kinematik und Biomechanik, Orthopädische Universitätsklinik Stiftung Friedrichsheim, Universität Frankfurt, Marienburgstr. 2, 60528 Frankfurt
EINLEITUNG:
Während bei der traumatischen Schulterinstabilität in den meisten Fällen eine chirurgische Intervention empfohlen wird, existieren bei der atraumatischen Instabilität unterschiedliche Therapievorstellungen. Die Therapieerfolge sind jedoch im Vergleich zur traumatischen Instabilität meist unbefriedigend. Ein Grund dafür könnte die multifaktorielle Genese sein. Sowohl Veränderungen der passiven (Retroversion, Gelenkkapsel) als auch der aktiven Stabilisatoren (Muskulatur) werden hierbei als relevante Faktoren vermutet. Bisher ist es jedoch unklar, ob die - auch unter Muskelaktivität - auftretende Dezentrierung des Humeruskopfes durch eine Insuffizienz der Rotatorenmanschette oder durch eine Fehlpositionierung der Skapula verursacht wird. Obwohl eine skapulo-thorakale Dysfunktion angenommen wird, existieren bisher nur wenige 2D Daten. Des Weiteren ist ein möglicher Zusammenhang zwischen Skapularkinematik und glenohumeraler Dezentrierung bisher ungeklärt. Das Erkennen von Patienten mit veränderter Skapularkinematik und das Wissen über die Auswirkung dieser Fehlpositionierung könnte jedoch zu einer verbesserten, spezifischeren Therapie beitragen. Ziel der Studie war unter Verwendung einer 3D MR-basierten in vivo Technik folgende spezifische Fragen zu beantworten:
MATERIAL UND METHODEN:
Patienten
Digitale 3D Bildverarbeitung und Statistik
Berechnete Parameter:
Winkel in der Skapularebene:
ERGEBNISSE:
Korrelation zwischen Skapularkinematik und Humeruskopfposition
Traumatische Instabilität
Atraumatische Instabilität
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Tabelle 1:
Durchschnittlicher skapulo-humeraler Rhythmus (SHR) [entsprechend der Methode nach Poppen und Walker (1976)] und Innenrotation der Skapula (IRO)[°] während unterschiedlicher Armpositionen.
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Tabelle 2:
Korrelationskoeffizient [r] zwischen Skapulaposition und glenohumeraler Position (relativ zum Glenoid) in der vertikalen Ebene (SHR vs. Humeruskopfposition in der s-i. Richtung) und horizontalen Ebene (Skapulainnenrotation vs. Humeruskopfposition in der a-p. Richtung)
DISKUSSION
Zusammenfassend konnte in 12 von 14 Patienten mit atraumatischer Instabilität signifikante Veränderungen der Skapularkinematik und gleichzeitig eine Dezentrierung des Humeruskopfes festgestellt werden. Bei Patienten mit traumatischer Instabilität hingegen zeigte sich nur eine positionsabhängige Dezentrierung des Kopfes bei intakter Skapulakinematik. Die hohe Korrelation zwischen beiden Faktoren weist auf einen relevanten Einfluss der Skapularpositionierung auf die glenohumerale Zentrierung hin. Patienten mit einer Skapulafehlpositionierung sollten daher nicht mit einem inferioren Kapselshift versorgt werden, da diese Therapie den Faktor nicht korrigieren kann. Aufgrund der hohen Korrelation zwischen beiden Faktoren sollte eine physiotherapeutische Therapie in Abhängigkeit von der Richtung der Instabilität angepasst werden.

