Anatomische Grundlagen des Latissimus Dorsi und Teres Major Transfer in der Rotatorenmanschettenchirurgie unter besonderer Berücksichtigung der Gefäß-Nerven-Bündel

O. Schoierer (1,2,3,5),
G. Herzberg (2,3),
E. Berthonneaud (4),
J. Dimnet (4),
A. Morin (5)
(1) Chirurgische Abteilung, Städtisches Krankenhaus München-Schwabing, Kölner Platz 1, D-80804 München.
(2) Service de Chirurgie traumatologique et orthopédique, Hôpital Edouard Herriot, Place d'Arsonval, F-69437 LYON Cedex 03.
(3) Laboratoire d'Anatomie, Unité de Biomécanique, Université Claude Bernard, UFR Grange Blanche, 8 Avenue Rockefeller, F-69008 LYON
(4) Laboratoire de Biomécanique du Mouvement, Domaine de la DOUA, 43 Bd du 11 Novembre 1918, F-69622 VILLEURBANE Cedex
(5) Empfänger eines Postdoktorandenstipendium Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn.
Zusammenfassung
Der Muskel-Sehnen Transfer (=MTT) mit dem Latissimus dorsi (LD) und/oder Teres major (TM) wurde jüngst in der Literatur als therapeutische Alternative zur Behandlung irreparabler Rotatorenmanschettenläsionen vorgeschlagen.
Das Ziel dieser Studie war, die Anatomie des Musculus latissimus dorsi und des Musculus teres major unter besonderer Berücksichtigung der Gefäß-Nerven-Bündel zu untersuchen, und experimentell einen Muskel-Sehnen-Transfer mit dem Latissimus dorsi und/oder Teres major durchzuführen.
Anschließend wurden die Gefäß-Nerven-Bündel der beiden Muskeln in sechs verschiedenen Armpositionen auf Spannung, Elongation untersucht, nachdem die Sehne entweder auf den Supraspinatus oder den Infraspinatus transferiert worden ist.
26 Schultern wurden untersucht, bei 22 Schultern wurde die Dissektion der Arterien mittels Latexinjektion vorbereitet.
Nach der skapulohumeralen und skapulothorakalen Dissektion, falls erforderlich mittels 4,3-facher Vergrößerung, wurde ein spezifischer Muskel-Sehnen-Transfer bei jeder Schulter vorgenommen (11 LD, 6 TM und 9 kombinierte MTT).
Die Anatomie der Gefäß-Nerven-Bündel wurde in 85% der Fälle als klassisch bewertet. Eine " Medialisierung " der Arteria thoracodorsalis wurde in vier Fällen beobachtet.
Spannung im Bereich des Ramus principalis für den Teres major Muskel wurde in allen 15 Fällen, bei denen der TM benutzt worden ist, nicht gefunden. Spannung in mindestens einer Armposition im Bereich der terminalen Bifurkation der Arteria thoracodorsalis wurde in 60% von 20 Fällen gesehen, bei denen der LD benutzt worden ist.
Drei Faktoren erschienen oft assoziiert mit diesem Phänomen: Medialisierung der Arteria thoracodorsalis, Fixation des MTT auf dem Humeruskopf im Bereich des Musculus supraspinatus und Armabduktion mit Innenrotaion des Armes. Spannung im Bereich der Latissimus dorsi Arterie ist unter bestimmten Bedingungen möglich, wenn der Muskel-Sehnen-Transfer isoliert mit dem Latissimus dorsi oder in Kombination mit dem Teres major durchgeführt wird, um eine irreparable Rotatorenmanschette zu versorgen.