1. Preisträger des Perthes-Preises 2001

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr der Perthes-Preis als Auszeichnung für eine innovative wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Schulter-und Ellenbogenchirurgie vergeben. 13 hochkarätige Arbeiten wurden eingereicht. Titel, Autoren und Zusammenfassungen finden sie im letzten Mitteilungsblatt. Die unabhängige Jury von 5 Preisrichtern wählte zwei Arbeiten aus: "Die neuromuskuläre Insuffizienz der Rotatorenmanschette muskelbioptische Untersuchungen zum funktionellen Impingement des Schultergelenkes" von H.K. Gansen und Irlenbusch, Orthopädische Klinik des Marienstifts Arnstadt sowie "Auswirkungen der Laser- und thermisch induzierten Kapselschrumpfung auf Kollagentextur und terminalen Nervenendigungen in der humanen Schultergelenkkapsel" von A. Ilg und Mitarbeitern, Orthopädische Klinik der Heinrich Heine Universität Düsseldorf. Ich darf alle an Schulter und Ellenbogen interessierte Kollegen auffordern, Arbeiten für den nächstjährigen Perthes-Preis fertigzustellen, die bis Ende dieses Jahres eingereicht werden müssen.

Auswirkungen der Laser- und thermisch induzierten Kapselschrumpfung auf die Kollagentextur und terminalen Nervenendigungen in der humanen Schultergelenkkapsel

Ansgar Ilg, Dirk Böhm, Andreas Werner, Frank Gohlke
Orthopädische Universitätsklinik, König-Ludwig-Haus, Würzburg

Ziel der Studie war es, die Auswirkungen unterschiedlicher Modifikationen der thermischen Kapselschrumpfung hinsichtlich der Kollagentextur und den Einfluss auf terminale Nervenendigungen in der humanen Schultergelenkkapsel zu untersuchen. Humane Schultergelenkkapseln wurden nach der Entnahme unter Einschluss des periartikulären Weichteilmantels in ca. 1.5 cm breite Streifen und einer gleichmäßigen, endoskopisch gestützten Kapselschrumpfung unterzogen, welches zu einem Längenverlust von 10-15% führte. Verwendet wurden eine elektrothermische Sonde (bipolare Vaporisations-Koagulationselektrode/VAPR) und Laserbehandlung (sog. Dioden- Laser/Holmium: YAG Laser). Anschließend erfolgte die histologische Aufarbeitung (Polarisationsmikroskopie) u. Immunhistochemie mit Neurofilament-Antikörpern). Untersucht wurden die Auswirkungen unterschiedlicher Modifikationen der thermischen Kapselschrumpfung hinsichtlich der Kollagentextur und der Einfluss auf terminale Nervenendigungen in der humanen Schultergelenkkapsel. Mit allen drei Verfahren war keine ausreichende Kontrolle der Eindringtiefe möglich. Die erzeugten Hitzeschäden reichten je nach Kapseldicke bis in die periartikulären Weichteile und erfassten stellenweise die periartikulären Nevenendigungen. Mit dem Diodenlaser ließ sich tendenziell eine gleichmäßigere Verteilung erzeugen, wobei eine statistisch klare Quantifizierung kaum möglich war. In den polarisationsoptisch veränderten Arealen ließen sich keine neurofilamentpositiven Nervenstrukturen mehr nachweisen. Bei einem thermischen Shrinking ist daher von einem Verlust der korpuskulären Rezeptoren auszugehen. Eine Erneuerung der korpuskulären Rezeptoren ist nach dem derzeitigen Wissensstand unwahrscheinlich, während eine erneute Einsprossung der freien Nervenendigungen zumindest mit den Gefäßen zu erwarten ist. Es bestehen Bedenken, dass durch eine Schädigung von gelenknahen Mechanorezeptoren die propriozeptiven Schutzmechanismen des Glenohumeralgelenkes beeinträchtigt werden. Die klinischen Folgen eines partiellen Verlustes von Gelenkrezeptoren sind derzeit noch unklar, da bisher kein eindeutiger Zusammenhang hinsichtlich der Entwicklung einer späteren Arthrose oder einer rezidivierenden Instabilität nachgewiesen wurde. Die thermischen Kapselschrumpfung stellt ein neues Behandlungsverfahren dar, welches zunehmend breite Anwendung findet. Bisher wurden vor allem die Veränderungen in biomechanischer Hinsicht und lokale Wirkung auf histologischer Ebene untersucht, jedoch gibt es bisher keine Erkenntnisse über mögliche Langzeitschäden. Bislang ist keine Studie erschienen, welche Kapselgewebe nach thermischer Kapselschrumpfung hinsichtlich der verbliebenen neuronalen Strukturen untersucht hat. Diese Arbeit soll einen Beitrag zur Grundlagenforschung der thermischen Kapselschrumpfung darstellen für die weitere Beurteilung der klinischen Relevanz.

2. Preisträger des Perthes-Preises 2001

Die neuromuskuläre Insuffizienz der Rotatorenmanschette - muskelbioptische Untersuchungen zum funktionellen Impingement des Schultergelenkes

HK Gansen, U Irlenbusch
Orthopädische Klinik des Marienstifts Arnstadt, Wachsenburgallee 12, 99310 Arnstadt

Fragestellung:
Das funktionelle Impingement wird als muskuläre Dysbalance diskutiert. Gegenstand der Untersuchung war die Frage, ob sich die Koordinationsstörung der Muskulatur in Form einer Verschiebung der FT- und ST-Fasern nachweisen lässt, da die FT- Fasern für eine rasche Reaktion bzw. Kontraktion, die ST- Fasern für langsame Kontraktionen und Ausdauerleistungen verantwortlich sind.

Methodik:
Bei 37 Patienten mit einem Supraspinatussyndrom, einer partiellen oder kompletten Rotatorenmanschettenruptur entnahmen wir Biopsien aus dem M. supraspinatus und dem M. deltoideus. Anschließend wurden die Schnitte morphometrisch ausgewertet.

Ergebnisse:
Alle drei Erkrankungsgruppen weisen eine Verkleinerung, erhöhte Variabilität und Häufigkeitsverschiebung der Faserquerschnitte auf. Besonders betroffen sind die FT-Fasern. Diese Befunde lassen sich morphometrisch objektivieren.

Schlussfolgerungen:
Aus den o.g. Veränderungen ist eine Koordinationsstörung der Muskulatur abzuleiten, die ein funktionelles Impingement bewirken kann. Wir bezeichnen dies als neuromuskuläre Insuffizienz der Rotatorenmanschette. Damit kommt den mechanischen Faktoren im Rahmen des sub-akromialen Impingements bei der Mehrzahl der Patienten wahrscheinlich nur eine manifestationsfördernde Rolle zu, indem sie die Kompensationsbreite des Gelenkes einschränken.



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